Petition zu Heilpflanzen: abstruser Online-Aktionismus


Schon vor einer Weile erreichten uns zahlreiche E-Mails mit der Bitte um Beteiligung an einer Petition zu Heilpflanzen. Anstoß für diesen Aufruf, der über diverse Onlinekanäle schnell verbreitet wurde, ist die EU-Richtlinie 2004/24/EG, die ab dem 30. April 2011 endgültig wirksam wird. Ab diesem Zeitpunkt müssen Hersteller von traditionellen pflanzlichen Arzneimitteln eine Registrierung für ihre Produkte vorweisen, um diese vertreiben zu dürfen – und zwar dann EU-weit.

Neu ist dieses Thema nicht, wurde die Richtlinie doch bereits im Jahr 2004 verabschiedet und im darauf folgenden Jahr in der deutschen Gesetzgebung verankert. Seit vielen Jahren erfüllen darüber hinaus zahlreiche Hersteller bereits die nun auch von der EU geforderten Voraussetzungen für den Vertrieb der betroffenen Produkte.

In den Aufrufen zur Unterzeichnung der Petition wurde vor der EU-Bürokratie gewarnt, die angeblich die Pharmaindustrie unterstütze und mit der Richtlinie verhindere, dass zukünftig Salbei, Knoblauch und Co. frei verfügbar wären. Tatsächlich ist das Ziel der EU-Richtlinie ein vereinfachtes und einheitliches Zulassungverfahren innerhalb der Europäischen Union für traditionelle pflanzliche Arzneimittel, die in einigen Mitgliedsstaaten bis dato überhaupt nicht reguliert waren.

Spiegel Online berichtet unter der Überschrift “Absurde Angst um die Kamille” über die Petition und der den Unterzeichnern offenkundig gemeinsamen Unkenntnis des tatsächlichen Inhalts der EU-Richtlinie. Auch der veröffentlichte Kommentar der Arzneimittelkommission der deutschen Heilpraktiker ließ die Aktivisten unberührt: 121.819 Menschen unterzeichneten.

Entgegen dem Verständnis der Petitionsbefürworter sind von der Richtlinie nicht grundsätzlich alle pflanzlichen Heilmittel betroffen, die bislang (rezept)frei erhältlich sind. Klassische, sogenannte OTC-Produkte (Over the Counter), wie Baldrian oder Johanniskraut, werden nach wie vor in Drogeriemärkten erhältlich sein. Auch Lebensmittel mit nachgewiesenen gesundheiltichen Vorteilen wie Knoblauch, Salbei, Kamille, Ingwer, sind von der EU-Richtlinie nicht betroffen. Für bestimmte Misch-Präparate hingegen steigt mit der Richtlinie die Wahrscheinlichkeit, dass eine Registrierung verlangt werden wird – soweit nicht ohnehin schon vorhanden.

Auch Noni und unsere Tahitian Noni Beverages bleiben als Novel Food, also als neuartige Lebensmittel zugelassene Produkte, übrigens von der Europäischen Richtline zur Verwendung traditioneller pflanzlicher Arzneimittel unberührt.

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  1. #1 von Prof. Dr. Johannes Westendorf am 13. November 2010

    Liebe Freunde der pflnzlichen Heilmittel, die Aufregung ist wirklich unbegründet. Bereits in den 1980er Jahren hat das damalige Buindesgesundheitsamt damit begonnen, in der unübersehbaren Flut pflanzlicher Heilmittel die Spreu vom Weizen zu trennen. Es wurden hunderte Monographien angefertigt Ich selbst habe seinerzeit für das Amt etliche Gutachten dazu abgefaßt. In der Folgezeit sind mehrere pflanzliche Arzneilmittel mit gefährlichen (z.B. krebserregenden) Eigenschaften von Markt verschwunden, andere haben ihren Platz behalten und bekräftigt. Die Hersteller wurden damals aufgefordert, Erkenntnismaterial zu den positiven sowie den unerwünschten Wirkungen ihrer Präparate zu sammeln. Dazu haben sie lange Zeit gehabt und viele haben das auch getan. Diejenigen. die dachten, sie könnten auch so am Markt bleiben, haben sich getäuscht. Arzneimittel ist Arzneimittel, ob pflanzlich oder synthetisch. Der Verbraucher hat ein Recht darauf, dass die Wirkungen und Nebenwirkungen überprüft wurden. Jetzt wird diese Riochtlinie EU-weit umgesetzt und alle Hersteller wussten, dass dieses passiert. Das Gesetz richtet sich nicht gegen die Verbraucher, sondern hilft ihnen, hochwertige Mittel zu erwerben, die weithegehnd frei von schädlichen Wirkungen sind.

  2. #2 von Horst H. Boss am 12. November 2010

    Auch wenn Spiegel Online über eine “absurde Angst” bezüglich des Themas schreibt – Tatsache ist doch, da sitzt ein Journalist, der halt auch etwas über das Thema schreibt. So oder so. Je nachdem, wie er gepolt ist. Punkt. Und Tatsache ist auch, dass vieles was bishier normal, ungefährlich und oft hilfreich war auf einmal nicht mehr normal sein soll und darf. Wenn sich 80 Millionen Bürger von den heutigen paar akademischen, carismalosen Hanseln, die für uns eigentlich Verantwortung tragen sollen,
    wirklich alles gefallen lässt, dann braucht man sich wirklich nicht mehr zu wundern. Zusehen und hinterher meckern ist halt bequemer als sich offen und kontra zu äußern. Auch hier heisst es: Wehret den Anfängen. Man denke nur an die gesetzliche Krankenversicherung. Zuerst ein Aufschrei und dann lässt man sich fast unbemerkt immer weiter rupfen. Bis man weiterhin immer höhrere Beiträge zahlt und seine Artz-/Medikamentenkosten halt ebenfalls noch so nebenbei. Fast unbemerkt. Aber das Volk will es ja so. Man stelle sich vor die Novel Food würde Noni aus dem Handel nehmen – es wäre nichts anderes als bei der jetzigen neuen Richtline. Hier sogar Jahrtausende normal und auf einmal verboten. Ist dieser Gedankengang wirklich so absurd?

    • #3 von Kathrin Aue am 12. November 2010

      Wir versuchen, die Situation faktisch darzulegen. Tatsache ist doch, dass die Regelung bereits seit Jahren in Kraft und in vielen Ländern, darunter insbesondere in Deutschland, schon jahrelang zum Großteil umgesetzt ist. Das bestätigt selbst die Arzneimittelkommission der Deutschen Heilpraktiker, wie in dem Artikel mit dem Link auf deren Stellungnahme belegt. Eine Petition hätte daher zu einem früheren Zeitpunkt erfolgen müssen, um noch Wirkkraft zu haben. Panikmache ist in dieser Angelegenheit sicherlich weder angebracht, noch hilfreich. Vor allem dann nicht, wenn diese mit Aussagen unterstützt wird, die schlichtweg nicht korrekt sind.

      Nachdem uns einige Anfragen zu dem Thema erreicht haben – in erster Linie von durch die Mailing-Aktion aufgeschreckte Menschen, die nicht verstanden, worum es eigentlich geht bzw. wissen wollten, ob Noni betroffen wäre – haben wir hier kurz Stellung bezogen.

(wird nicht veröffentlicht)


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